Die Feenvölker Bereits der Karlsruher Autor Hermann, in neuerer Zeit F. Hetman haben des öfteren auf einen außerordentlich wichtigen historischen Umstand hingewiesen, welcher eines Tages zur Erforschung der Vorzeitreligion entscheidend beitragen könnte: Die Vorbevölkerung Britanniens, welche von später landenden Invasionsmächten aus den Ebenen in gebirgige, unfruchtbarere Gebiete verdrängt worden war, wurde in den keltischen Märchen und Überlieferungen als Elfen- oder Feenvölker benannt. Häufig wird diese mythologische Bezeichnung auch auf die Megalithkultur mit ihren Großsteinanlagen angewendet. Der Grund der Benennung ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ganz klar, er kann damit zusammenhängen, daß diese Menschen
Wie auch immer der Begriff "Feenvölker" zustandekam, das Rätsel läßt sich hier nicht lösen. Als Arbeitsname soll er nur einfach besagen, daß diese Vorbewohner stets mit dem Begriff der Feen zusammen gesehen wurden. Eine ähnlich romantisierende oder verklärende Anschauung kennen wir bei heutigen Vorstellungen von Indianern oder Zigeunern. Diesen Menschen werden z.T. mystische Kräfte nachgesagt, was an ihrer konkreten Benachteiligung leider nichts ändert. Bezeichnenderweise bitten die Elfen oder Feen in den alten Berichten häufig um Nahrung.
- Feengestalten oder dgl. als Göttinnen verehrten; und Elfen waren evtl. ihre vergöttlichten Ahnen,
- oder daß ihre Göttinnen später in Erzählungen der sog. "niederen Mythologie" als Feen weiter lebten,
- oder daß Angehörige dieser Bevölkerung selbst - womöglich wegen guter Kenntnisse des Landes, der Heilkunst etc. - als derart übernatürliche Wesen betrachtet wurden. Eine solche Anschauung, evtl. aus verklärender Rückschau lange nach den realen Begegnungen bzw. Konflikten erscheint bei den Dialensagen der Schweiz.
Wer aber waren die Feen- Leute? Die Ortssagen verschiedener Landschaften beschreiben sie zum Teil recht genau. So berichtet die Schweizer Überlieferung von den Dialen, sie hätten eine eigene Sprache gehabt und es werden sogar einzelne Wörter daraus mitgeteilt. Die Murgtaler Landnahme- Sage beschreibt die Ureinwohner als auffällig geschmückt mit roten Haaren und roten Bärten, eine Haartracht, die auch von früheren Bergvölkern des Kaukasus bekannt ist. Die Bauern betrieben Tauschhandel mit diesen Leuten; gelegentlich kam es Heiraten, öfters zu Konflikten. In einem Fall berichtet die Sage von der üblen Misshandlung und Ermordung einer Dialenfrau durch die Neuankömmlinge.
Andere Erzählungen berichten von den Wilden Männern, Holz(=Wald)männern, Erdleuten etc. Nach den Ortsüberlieferungen wohnen sie unterirdisch oder in Höhlen, sind kleiner als die Neuankömmlinge und meiden diese. Sie fürchten auch das Eisen, das offenbar den Ausschlag für das Übergewicht der neuen Herren gibt. Diese Erzählmotive sind im gesamten deutschen Sprachraum vorzufinden. Nach späteren Berichten verlassen die Ureinwohner das Land ganz und ziehen in andere Gegenden. Alles dies paßt ziemlich lückenlos auf eine kleine, mit dem Lande gut vertraute Schicht von Jägern und Sammlern, welche möglicherweise auch etwas Viehhaltung und einen wenig entwickelten Ackerbau betrieben hatte. Auch der Betrieb von Bergwerken (Feuerstein, Kupfer etc.) ist bereits bei ihnen seit der Jungsteinzeit nachgewiesen. Möglich, daß mit diesen Produkten zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen Handel getrieben wurde.
Die Archäologie Europas hat in den letzten Jahren beeindruckende Zeugnisse von Vorläufern der Keltenkultur (Reste hölzerner Rundtempel u.a.) gefunden. Es scheint mir verfrüht, anhand dieser Befunde über diese Gruppen zu spekulieren. Andererseits dürfte die Benamung der Kulturschicht mit dem Arbeitsbegriff "Feenvölker" nicht voreilig sein, verleiht sie doch jener Zeit ein erstes, charakteristisches Profil und steht in Übereinstimmung mit den Überlieferungen.
Photo: Detail aus Rock_Art
aktualisiert am 27.11.00
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