Die......Römer....... .............
"Das Reich, das die barbarischen Stämme, 
die seine Grenzen bedrohten, zurückschlug, 
hatte im Herzen seiner Herrschaft,
in Rom selber, 
eine noch ärgere Barbarei begründet."
Lewis Mumford

Zu der Einnahme des späteren Alamannengebietes durch die Römern möchte ich hier nicht viel schreiben. Es gibt Veröffentlichungen im Netz, welche diese Aufgabe bereits sehr gut wahrnehmen. Ich möchte ihren Darstellungen nur ein paar kritische Aspekte hinzufügen. Im allgemeinen gelten die Römer als Nordeuropas Kultur- und Friedensbringer. Abgesehen davon, daß die betroffenen Europäer nicht darum gebeten haben, mit einem neuen System "beglückt" zu werden, ist auch historisch das klare Gegenteil  nachzuweisen.
Die Römer brachten zu Beginn Massaker, Zerstörung und Plünderung. Dann nahmen sie - besonders den Kelten - den Unterworfenen ihren Lebensstil und ihre Kultur. Später gaben sie ihnen eine Wohlfahrtsdiktatur mit Inflationen, kleinlich genauen Zunftordnungen und festgelegten Zwangsberufen. Ich will nicht bestreiten, daß die Römer auch Gutes brachten - aber  ein kleineres Rom hätte mehr Gutes, vor allem mehr Eigenes erbracht. Es war einfach zu groß und daher mit damaligen Mitteln nicht normal regierbar. Moderne Historiker betonen gern, daß in den Spätzeiten des römischen Imperiums die Belastungen für den einzelnen Untertanen - das Wort Bürger paßt hier nicht - eher gering waren, die Steuerbelastung lag bei etwa 10%. Das hätte doch wirklich jeder aufbringen können für Gesetz und Ordnung und Sicherheit an den Grenzen. Aber die von Rom überfallenen Völker hatten vordem ihre eigenen Gesetze und Ordnungen gehabt. Und die Steuern wären in jedem Fall besser im Land geblieben.
Die Besteuerung wurde übrigens erst dann so moderat gehandhabt, nachdem man die ganzen Ressourcen an Gold und Menschen der neu eroberten Länder (z.B. Spanien, Gallien etc.)  ein paarmal vollständig ausgeplündert hatte. Die kurzen Zeiten, in denen Gesetz und Ordnung wirklich durchgesetzt wurden, waren kein Vergleich mit den immer wieder anbrechenden Epochen der Ängste, Bürgerkriegen, Störungen des sozialen Friedens, Inflationen, Christenverfolgungen, usw.
 
"Sogar der Anschein von Gesetz und Ordnung wurde immer wieder von den blutigen Verschwörungen bei Hofe, den räuberischen Erpressungen und den Militärputschen begraben, die mit der Wahl jedes neuen Kaisers verbunden waren. Die Prätorianergarde gab einem verkommenen Tier wie Commodus so entschieden den Vorzug vor seinem würdigen und ehrenhaften Nachfolger Pertinax, daß sie diesen alsbald umbrachte. Das Vorhandensein einer parasitären Wirtschaft und eines räuberischen politischen Systems schuf eine für Rom typische städtische Institution..... 
Der alte Brauch religiöser Schlachtopfer erhielt in der Arena eine neue weltliche Gestalt. Das römische Leben drehte sich, wiewohl es Frieden zu stiften vorgab, mehr und mehr um das zwingende Ritual der Ausrottung." Mumford S. 269

Als Menschenmaterial in der Arena, in den Bergwerken und auf den großen Plantagen wurden besonders gern Kriegsgefangene herangezogen. Nach antiker Auffassung durften solche Menschen nicht in die Sklaverei geführt werden, sondern hatten Anspruch auf Auslösung durch Lösgelder bzw. Freilassung nach Beendigung des Konfliktes. Nur in einem Fall durfte dies anders gehandhabt werden: bei einem Aufstandsversuch im Gefangenenlager. Also nützten die Römer jeden Vorwand,  selbst ein Zusammenlaufen der Gefangenen, um dies als Aufstand zu deklarieren und die Betroffenen sofort als Sklaven zu verkaufen. Gab es kein Zusammenlaufen, schmuggelte man auch schon einmal ein paar Waffen zu den Gefangenen - und schlug dann zu, bevor sie diese benutzen konnten. Die Sklavenhändler begleiteten mit ihren Helfern und Wagenladungen voll Ketten jedes römische Heer und hatten bereits vor der Schlacht den Feldherren die genauen Stückzahlen mitgeteilt, die eingeplant waren.

Rom selbst, welches Patrick Geddes mit den Worten Parasitopolis und Pathopolis beschrieb, war eine Stadt der Schmarotzer und Krankheiten. [Mumford S. 270]  Roms benachbarte Gemeinden umgaben sich mit Zäunen und Mauern, um dem nächtlichen Terror durch gelangweilte junge Römer zu begegnen. Kaiser verkleideten sich als Kriminelle und überfielen nachts römische Bürger. Jede Perversität, jede krankhafte Verirrung fand Nachahmung. Gangsterbanden und angeheuerte Gladiatoren standen bereit, für Gold jeden Gesetzesbruch mit brutalster Gewalt zu begehen.
Seuchen suchten ständig die Stadtbevölkerung heim, da die römische Abfall- und Leichenentsorgung wesentlich primitiver war als die von den angeblich so schmutzigen Germanen. Bis zu 170 Feiertage pro Jahr mit freiem Eintritt in "Zirkusspiele", genauer gesagt Massenmorde, hielten den römischen Pöbel bei Laune. Nicht die Kaiser, sondern die Prätorianer und eine Stadt mit hunderttausenden von Schmarotzern regierten die römische Welt  "Das wachsende Imperium wurde in einen Apparat verwandelt, der ihr Dasein sichern sollte ...indem er ... die Armee korrumpierte, die allein den Strom von Tributzahlungen, Sklaven, Gefangenen und wilden Tieren gewährleistete, der unaufhörlich im Schlund dieser unersättlichen Stadt verschwand." [Mumford, S. 268]

Auch später wurden die neuen Mitglieder der "pax romana" nicht wie Gleichberechtigte behandelt. Der alte antike Vorbehalt gegen die Barbaren wurde aufrecht gehalten, obgleich man ihre Kraft mit jedem Jahr dringender benötigte, um das morsche Reich zu erhalten.. "Die  Götter der fremden Völker wurden nach Rom gebracht und dort verehrt, aber für ihre lebenden Vertreter war kein Raum in der Hauptstadt." [ Mumford S.282] Schlimmer noch als das Parasitentum der Stadtrömer und der Menschenverschleiß durch ständig künstlich in Gang gehaltene Konflikte (s.o., man brauchte Sklaven) war jedoch für die nichtrömischen Untertanen der Verlust ihrer Selbstverwaltung. Die Römer zerstörten einige blühende oppida (Manching u.a.) , wobei sie das Gesamtsystem zwar zunächst intakt ließen. In ihrer Gier nach den Ressourcen der eroberten Länder zweigten sie aber ständig Gold und Menschenkraft ab. Am Ende des römischen Reichs mußten die einst goldreichen Keltenstädte Münzen aus Bronze prägen lassen, da sie von allen Edelmetallen entblößt waren. Bis zum Ende ließen die Römer, aus Angst von ihrer Macht abzugeben, die Hauptstädte der Provinzen ohne eine echte Elite mit Kompetenz und Eigenverantwortung. Nicht das kleinste Stück Autonomie wurde bewilligt, das Volk war entwaffnet, die Armee an der Grenze sorgte angeblich für den Frieden.

Die britischen Kelten sollten ihr Vertrauen auf die leeren Versprechungen Roms bereuen, als die ersten Plünderer auftauchten und Roms Soldaten, statt zu kämpfen - evakuiert wurden. Dann hätte sich mancher der inzwischen "zivilisierten" Halbrömer gewünscht, er wäre noch nach altem keltischen Brauch zum waffenfähigen Krieger ausgebildet worden.
Viele Kelten und übrigens auch nicht wenige Römer in der Rheinebene begrüßten die Vorreiter der Alamannen als Befreier von einer Besatzung, wie sie kaum drückender sein konnte. Die frühen germanischen Erober sahen sich das Leben in den römischen Städten an und machten eine weiten Bogen um sie. Das romanische Wort "villain", welches die Franken übernahmen und mit einer neuen Bedeutung benutzten, hieß bei ihnen von da an beides: "Städter" und "Gauner"....


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aktualisiert am 27.11.00

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