Unterschiede und Berührungspunkte
der Gegensätze Muster -LogrusDie Unterschiede
Es gibt auch einige Unterschiede zur hier dargelegten Grundtypologie des Amberzyklus. Sie fallen aber weniger ins Gewicht, sondern sorgen eher für feinere Nuancen und Verschiebungen von Akzenten, welche die Amber-Mythologie noch stärker profilieren. Für mich die frappierendste Änderung ist: Merlin erlernt in den Burgen des Chaos eine Form der Magie, welche weitaus eher der europäischen "Hohen Magie" oder Zeremonialmagie ähnelt als einer wie auch gearteten Magie aus irgendeinem Teil des fernen Ostens.
Dara als Frauengestalt würde ebenfalls eher in den westlichen Kontext passen, auch Mandor wirkt zivilisierter, im Auftreten geschliffener und gefährlicher als die meisten Chaositen, welche oft recht geradeaus sind (Borel, Jurt u.a.), von Merlin abgesehen. Sollte er auch einen Amberanteil im Blut haben - oder war er auf der Erde zur Ausbildung?
Der Logrus wirkt insgesamt nicht recht durchdacht; er hat eine Reihe von Schwächen, welche das ungetrübte Lesevergnügen mindern. Man sollte einer Gestalt mit dieser ausgeprägten Schlangensymbolik etwas mehr Geduld, List - und warum nicht auch ein Stück Weisheit ? - zutrauen.
Die Bewohner des Chaos sind monotheistisch (Glaube an die Schlange), was nicht gut zu einem asienähnlichen Szenario paßt. Später errichten sie Kapellen für ihre "Heiligen", jene Amberiten, welche sie besonders verehren. Darin drückt sich eine gegenseitige Durchdringung aus, welche in der Person Merlins ihre Synthese findet.
Alles in allem fallen diese Unterschiede, gemessen an den Übereinstimmungen im Sinne meiner Grundthese, nicht sehr ins Gewicht.
....... Verbindende Faktoren
Das Tarot mit seinen Trümpfen, welche in beiden Welten zur Kommunikation wie auch zur Fortbewegung in fremde Welten genutzt werden.
Die Magie, welche offenbar kompatibel ist, erinnern wir uns an das Zusammenwirken von Mandor und Fiona.
Die Gestalt der Weisheitslehrer Dworkin und Suhuy, beides phantastisch gut ausgearbeitete Charaktere.
Die Liebesgeschichte zwischen Corwin und Dara und die Gestalt Merlins als "Produkt" ihrer Beziehung, der auch persönlich und aus Überzeugung um gute Beziehungen zu beiden Mächten bemüht ist.
Die Freundschaft zwischen verschiedenen Individuen aus beiden Lagern (wenn wir Luke zunächst als Feind Ambers einstufen und damit eher zum Chaos rechnen)
Die Familienbindung Merlins an seine doch sehr unterschiedlichen Herkunftswelten und sein Bemühen um Frieden zwischen beiden Welten. Dieses Thema bringt uns übrigens in einen Bezug zu Samuel Huntingdons "Clash of Civilisations". Man könnte auch diese Reihe von Motiven mit der Epoche des kalten Krieges in Verbindung bringen. Eine Episoden in den Höfen des Chaos lassen anklingen, daß es mit persönlicher Freiheit und dem Schutz der individuellen Persönlichkeit dort nicht allzu weit her ist.
In gewisser Weise sind auch die weiteren "Geschöpfe" der Corwinfamilie verbindende Elemente: Das Geistrad als Wesen einer besonderen Kategorie, welches sich auch mit beiden Mächten anlegt. Und natürlich, das dritte Muster, welches Corwin errichtete. (Sonderartikel)
Der Hort der vier Welten wie auch das relativ ausführlich beschriebene Kashfa sowie die Schwarzweiß-Welt im 7. Band "Ritter der Schatten" nehmen ebenso eine Sonderstellung ein. Von ihrer Beschreibung her könnten sie eine Art Niemandsland zwischen den beiden Mächten sein. Die Beschreibung vor allem der letztgenannten Örtlichkeit erinnert an die Welten Carlos Castanedas. Vielleicht schreibe ich darüber noch einmal einen eigenen Beitrag. Beim Hort der vier Welten fällt auf, daß seine Beschreibung die Tarotsymbolik wiederholt, welche ebenfalls auf den vier Grundelementen (nach griechischer Tradition) aufbaut.
zum Anfang dieser Seite aktualisiert am 01.04.01