Der Ewige Rebell - zur Person Zelaznys
Biographie:
Roger Joseph Zelazny, geboren am 13. Mai 1937 in Euclid/Ohio, Studium der Literaturwissenschaften (Western Reserve University), Abschluß mit dem B.A. 1959, anschließend Englischstudium an der Columbia University. Abschluß 1962 mit dem Doktorat. Danach Arbeit in einer Sozialversicherungsanstalt in Cleveland/Ohio und Baltimore/Maryland. Bereits zu diesem Zeitpunkt Erfolge als Verfasser von Science Fiction-Geschichten. Seit 1969 als freier Schriftsteller in diesem Genre tätig. 1964 Heirat mit Sharon Steberl; Scheidung 1966. Ebenfalls 1966 Heirat mit Judith Alene Callahan. 1975 übersiedelt Zelazny mit seiner Familie nach Santa Fe/New Mexico. Er stirbt an einem Krebsleiden am 14. Juni 1995.Seine Entwicklung als Autor
Zelazny war einer der führenden Köpfe der New Wave - Bewegung, mit Harlan Ellison und Samuel R. Delaney wurde er in den 60er-Jahren dem "Dreigestirn der New Wave" zugerechnet. Sein Einfluß erstreckte sich auf die SF und Fantasy einer ganzen Generation. Ab der Mitte der 60ger Jahre befand sich Zelazny in der Hauptphase seines Schaffens und schaffte den Durchbruch zum großen Erfolg, der ihm zahlreiche Preise und Ehrungen einbrachte. u.a. 6 Hugos und 3 Nebula Awards. In den siebziger Jahren ließ seine Inspiration jedoch, vielleicht sogar aufgrund dieses Ruhms, etwas nach. Seine folgenden Veröffentlichungen waren mehr als Trivial- SF einzustufen, was den strahlenden Stern seines Ruhmes etwas tiefer sinken ließ.Jedoch: "Sein Zyklus um CORWIN VON AMBER gehört in der Fantasy zum besten, was sword and sorcery zu bieten haben." (Zitat aus einer Kritik im »Saarländischen Kultur-Journal«) Dem Zyklus gehören kleinere Segmente an, welche sich als eigenständige Geschichten herauskristallisieren, wie z.B. "Lorraine", eine Erzählung voller Dramatik und romantischer Poesie, mit jenem bittersüßen Ausklang, den Liebesgeschichten in seinen Werken häufig nehmen. Der Zyklus enthält übrigens auch lange Passagen, die sich wie Poesie oder lyrische Impressionen lesen lassen. Besonders eindrucksvoll sind seine Schilderungen von Landschaften fremder Welten. Die hierbei geschaffenen Bilder kommen sehr nahe an die Bilderwelt des Surrealismus heran. Seine Ambertitel finden Sie bei den Literaturhinweisen.
...... Hintergrund und Stilmerkmale
Zelazny beweist eine bemerkenswert vielseitige Bildung auf den Gebieten Kunst, Philosophie und Religion. Seine Stärke ist die Schilderung von Persönlichkeiten, von Charakteren, wobei er wenigen Worten sehr genau treffende Beschreibungen erzielt. Die nordischen Sagas pflegten ihre handelnden Helden so kurz und prägnant darzustellen, z.B.: "Herbstlaub fegte über die Straße. Ich fragte mich, wo mein Vater war." Dieses einfache Stimmungsbild kommt sehr nahe an die poetische Qualität eines japanischen Haikus heran.
Bei seiner Heldengestalt Corwin handelt es sich meiner Ansicht nach um eine idealisierte Form seiner eigenen Persönlichkeit. Bei dem rechts abgebildeten Trumpf ist die Ähnlichkeit - zumindest aus Sicht des Illustrators - unverkennbar.Zum Hauptmotiv
Das Motiv der verfeindeten Brüder ist ein sehr alter Topos, welcher von antiken (Atreus-Thyestes, Romulus- Remus) und biblischen Quellen (Jakob- Esau) bis heute reicht. Das aus der letztgenannten Quelle stammende Kain - und Abelmotiv dürfte eines der stärksten Motive der Weltliteratur sein, wobei es entweder als Charaktergegensatz (J.Joyce, Finnegans Wake, 1939) oder als wirkliche Feindschaft herausgearbeitet sein kann (Steinbeck, East of Eden, 1952). In der keltisch-germanischen Überlieferung liegen besonders umfangreiche Stoffe dazu vor. (Hamdir-Lied, The Cattle-Raid of Cooley, Hunnenschlachtklied, Asmundssaga u.a.)
Die vielleicht berühmteste Darstellung des Motivs dürfte natürlich Schillers Stück "Die Räuber" sein, aber auch Bonaventuras Nachtwachen - ebenfalls im Renaissancegewand wie die Ambervorlage - sowie Werke von R.Martin du Gard, G.Hauptmann, Th. Storm, Voltaire, Calderon, L.de Vega, , R.L.Stevenson, Grillparzer, Ebner-Eschenbach und Anderen befassen sich mit dem Thema.Rebellion und Skepsis
In manchen Werken erweist sich Zelazny als theologisch kompetenter Diskussionspartner, welcher allerdings vor Tabus nicht haltmacht. In seiner Geschichte "Dem Prediger die Rose" ("A Rose for Ecclesiastes", 1963 ) erklärt er die Auflehnung gegen vorgegebene Dogmen zur Grundbedingung einer Erneuerung der Religion, welche in bestimmten Phasen ihrer Entwicklung des Rebellen und sogar der "Blasphemie inmitten des Heiligtums" bedarf. Diese innere Haltung scheint mir für den Autor selbst wesenstypisch zu sein. Die Story wurde 1968 von den Science Fiction Writers of America auf den 6.Platz aller bis 1965 publizierten Stories gewählt.Sein "Agnostic Prayer" ist wohl das bekannteste Gebet, welches in der Fantasy oder SF je geschrieben wurde:
"Insofar as I may be heard by anything, which may or may not care what I say, I ask, if it matters, that you be forgiven for anything you may have done or failed to do which requires forgiveness. Conversely, if not forgiveness but something else may be required to insure any possible benefit for which you may be eligible after the destruction of your body, I ask that this, whatever it may be, be granted or withheld, as the case may be, in such a manner as to insure your receiving said benefit. I ask this in my capacity as your elected intermediary between yourself and that which may not be yourself, but which may have an interest in the matter of your receiving as much as it is possible for you to receive of this thing, and which may in some way be influenced by this ceremony. Amen. "
Der Rebell im Heiligtum - das ist Zelazny selbst und er erreicht damit Dimensionen, welche der Mainstream - Religiosität selten zugägnlich sind.weiter zu andere bedeutende Motive (in Arbeit)
zum Anfang dieser Seite aktualisiert am 01.04.01